Selbstreflexion: Definition, Methoden, hilfreiche Fragen, Nutzen und Zusammenhänge verstehen

Du bist also hier, um mehr über Selbstreflexion zu erfahren.

Wir heißen Dich herzlich willkommen! Bei DeSelfie findest Du alles zum Thema.

Du findest unter anderem Antworten auf Fragen wie:

Was wir bei DeSelfie wissen, ist: Selbstreflexion ist für zwischenmenschlichen Umgang von größter Bedeutung – seit Corona noch viel mehr. Unsere digitalisierte Welt ist sehr komplex und schnelllebig geworden. Selbstreflexion ist insbesondere dann wichtig, wenn wir eng mit Menschen zusammenleben oder zusammenarbeiten. Für Führungskräfte wie für Mitarbeiter, für Eltern wie junge Erwachsene oder Lehrer gleichermaßen.

Egal, ob du hier bist, weil dein Leben gerade verrückt spielt, du in der Schule eine Selbstreflexion schreiben musst – oder Menschen beobachtet hast, die sehr unreflektiert sind.

Wir helfen dir zu verstehen, was Selbstreflexion ist, indem wir als Experten für Selbstreflexion die häufigsten Fragen rund um das Thema beantworten. Außerdem stellen wir auch Methoden und qualitativ hochwertig recherchierte und verfasste Artikel bereit, um die eigenen Reflexionsfähigkeit anzuregen.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Definition und Etymologie
  2. Ergebnis und Nutzen
  3. Der Prozess der Selbstreflexion
  4. Welche Methoden gibt es zur Selbstreflexion?
  5. Selbstreflexion im Alltag: Zusammenhänge untersuchen
  6. Selbstreflexion in verschiedenen Lebensphasen
  7. Probleme mit Selbstreflexion
  8. Referenzen
  9. Quellen

1. Definition und Etymologie

Was ist Selbstreflexion?

Selbstreflexion bezeichnet die Tätigkeit, über sich selbst nachzudenken. Das bedeutet, sein Denken, Fühlen und Handeln gedanklich zu analysieren und zu hinterfragen mit dem Ziel, mehr über sich selbst herauszufinden. Dieses Nachdenken kann sich auf eine bestimmte Situation (z.B. eine Konfliktsituation) beziehen, aber auch etwas langanhaltendes beziehungsweise regelmäßiges, wie beispielsweise eine Angewohnheit. Dabei können wir uns nicht nur selbst als individuelle Person hinterfragen, sondern auch als Teil eines Systems, zum Beispiel als Teil einer Familie, eines Teams, eines Freundeskreises oder eines Unternehmens. Und kommen so zu Impulsen, die mein Sein in ein größeres Ganzes systemisch einbetten. Selbstreflexion kann anhand eines Kreislaufs skizziert werden, in den wir typischerweise durch besonders positive Situationen (z.B. Erfolgserlebnisse), oder schmerzliche Ereignisse (bspw. Trennungen) einsteigen können. 

Selbstreflexion in der Psychologie

Selbstreflexion ist ein psychologisches Phänomen, das interdisziplinär betrachtet werden sollte. Aus psychologischer Perspektive bildet Selbstreflexion die Fähigkeit aus, auf einer Ebene der Vorstellungskraft die verschiedensten Aspekte in Bezug auf unser Selbst zu erkennen. Einfacher gesagt: Wir bekommen Ahnungen auf Fragen wie: Was denke ich, wenn ich in den Spiegel schaue? Gemeint ist natürlich nicht nur das, was wir tatsächlich im Spiegelbild sehen, sondern das, was wir über uns selbst glauben und denken. Über unsere Gefühle, unser Können, unser Wirken und unsere Wirkung.

Was sehe ich, wenn ich ein Selfie knipse: Wer blickt mir da entgegen? Wie sieht es eigentlich hinter dem Filter, dem äußeren Erscheinungsbild, aus? Und: Was macht mich als Mensch aus, was kennzeichnet meine Beziehung zu anderen Menschen – und umgekehrt?

Selbstreflexion aus Sicht der Biologie

Biologisch betrachtet hingegen ist Selbstreflexion die Fähigkeit des Menschen, verschiedene neuronale Muster im Nervensystem zu entwickeln und diese miteinander abzugleichen. Auf diese Art und Weise entstehen Überlegungen – und in einem weiteren Schritt vielleicht auch neue Wege und Überzeugungen.

Ähnlich wie in der Physik richte ich in diesem Prozess das Licht auf mich selbst und erhalte in der Rückspiegelung Informationen über mich. Ihr gegenüber steht die sogenannte „Selbstaufmerksamkeit“, also unsere intuitive Selbstreflexion. Wir müssen für diese nicht angestrengt und aktiv nachdenken, sondern der Prozess passiert von selbst. Sozialpsychologen konnten beispielsweise nachweisen, dass Menschen ehrlicher sind, wenn man sie direkt neben einen Spiegel setzt. Sie konnten so zeigen, wie Selbstaufmerksamkeit auf uns wirkt.

Von Selbstreflexion zu Selbsterkenntnis

Dadurch kommt man manchmal zu Erkenntnissen über die eigene Motivation, über Muster oder Blockaden in uns. Selbstreflexion – also der Weg hin zur Selbstkenntnis und -erkenntnis – ist ein erster wichtiger Schritt.

Selbstreflexion ist als Lern- und Erfahrungsprozess zu verstehen – die “Sichtweise auf uns selbst” ist im Laufe des Lebens veränderbar, vor allem dann, wenn sich unser Wertesystem im Laufe unseres Lebens verändert.

Vor allem die psychologischen Komponenten interessieren uns hier auch auf einer wissenschaftlichen Ebene. Vielfach sehen wir bei DeSelfie dann auch über den Tellerrand hinaus und betrachten, wie weitere wissenschaftliche Richtungen in unsere Überlegungen interdisziplinär einbinden können.

Was bedeutet etwas zu reflektieren?

Etwas zu reflektieren, bedeutet über dieses „Etwas“ retrospektiv nachzudenken. Wenn jemand von sich selbst sagt, dass er etwas reflektiere, meint er damit, dass er ein bestimmtes Thema nochmals überdenkt.

Konkret bedeutet das, dass jemand eine Situation noch einmal im Kopf abspielt – und darüber nachdenkt. Da der Prozess für viele Menschen sehr abstrakt ist, helfen Fragen, anhand derer man gezielt reflektieren kann. Diese können in Bezug auf eine bestimmte Situation zum Beispiel lauten:

  • Was genau ist aus meiner Sicht passiert?
  • Was habe ich in Situation X getan?
  • Was habe ich gesagt?
  • Was habe ich mir dabei gedacht?
  • Wie habe ich mich gefühlt?
  • Wie habe ich mit anderen interagiert?
  • Wie hat sich mein Gegenüber wohl gefühlt?

Was bedeutet Fähigkeit zur Selbstreflexion? Was ist/ heißt (Selbst-)reflektiert? Was versteht man unter Reflexionsfähigkeit?

Wie soeben erklärt, bezeichnet Selbstreflexion die Tätigkeit, über sich selbst nachzudenken. Jemand, der als selbstreflektiert gilt, ist somit also in besonderer Form in der Lage, retrospektiv, aktuell, aber auch zukunftsorientiert über sich selbst und über sein Denken, Fühlen und Handeln und seine persönliche Entwicklung nachzudenken. Worüber er oder sie nachdenkt, ist abhängig von dem Ziel oder auch von den Ursachen, wieso jemand sich selbst, Prozesse oder Beziehungen reflektiert. Häufig regen vor allem Niederlagen die Fähigkeit an, über unser Verhalten nachzudenken, sodass wir uns Verhalten in Zukunft lenken.

Selbstreflexion gelingt nicht Tag für Tag und ständig. Gerade im Alltagstrubel fehlen uns häufig Energie, Lust und Zeit, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen. Nicht zu vergessen, dass es auch Mut erfordert, hinter das eigene Spiegelbild zu schauen. Und manchmal ist das auch gut so und hat gute Gründe. Das bedeutet nicht, dass man nicht die Fähigkeit besitzt, sich zu reflektieren, sondern manchmal einfach nicht dazu in der Lage ist, beispielsweise aufgrund von Emotionen, wie Wut oder Trauer.
Somit könnte jemand in Situation A als reflektiert gelten, jedoch in Situation B Schwierigkeiten haben, sein eigenes Handeln und Tun, sowie seine Gefühle zu hinterfragen. Im täglichen Sprachgebrauch gilt jemand dann als „reflektiert“, wenn er oft die Fähigkeit bewiesen hat, dass er über sich selbst und seine Handlungen nachdenken kann.

Wie unterscheidet sich Selbstreflexion von Selbsterkenntnis? Was ist Selbsterkenntnis?

Selbsterkenntnis bezeichnet die Erlangung von neuem Wissen bezüglich der eigenen Person und ist somit das Ergebnis von Selbstreflexion. Selbsterkenntnis könnte auch als genaueres “Sich-selbst-Bewusstsein” bezeichnet werden. Daraus speist sich häufig auch unser Selbstbewusstsein. Umgangssprachlich gesagt ist Selbsterkenntnis auch einer dieser „Aha-Momente”, in denen uns “ein Licht aufgeht”. Wir begreifen etwas, das und zuvor nicht klar war, wobei sich das immer auf unsere eigene Person, also unser Fühlen, Denken und Handeln bezieht. Einige Beispiele für Selbsterkenntnisse von anderen Personen finden unsere Leser in der Rubrik „DeSelfies“.

Wie genau der Reflektierende mit den Erkenntnissen umgeht, ist eine weitere Frage, die sich Personen in diesem Prozess häufig stellen. Grundsätzlich lassen sich zwei Ergebnisse kategorisieren.

1. Positives Ergebnis

Im Falle einer positiven Bewertung der eigenen Haltung und Erfahrung kann der Reflektierende sich auf die Aufrechterhaltung dieses Verhaltens konzentrieren.

2. Negatives Ergebnis

Stößt man auf negative Ergebnisse  – oder mit anderen Worten ausgedrückt: gefällt mir nicht, was ich über mich selbst gelernt habe – kann ich mich fragen, was ich nun mit diesen Gedanken oder Gefühlen anfange. Ich kann versuchen, das Verhalten zu ändern und könnte zunächst überprüfen, wofür sich eine neue Verhaltensweise lohnen würde. Und in einem nächsten Schritt: inwiefern meine neuen Verhaltensweisen für mich – und meine „Umwelt“ – sinnstiftender sind oder nicht. Und: Was der Preis ist, die alten Verhaltensweisen dafür (in Teilen) aufzugeben.

Etymologie

Der Begriff Selbstreflexion lässt sich in Selbst und Reflexion trennen. Somit sollen diese zwei Begriffe genauer betrachtet werden.

Was ist das Selbst?

Das Selbst zu erklären, ist alleine aufgrund der weitreichenden Literatur herausfordernd – und der Begriff muss zwingend interdisziplinär betrachtet werden. Das Wort ist Grundstein für eine Vielzahl an psychologischen, philosophischen und medizinischen Begriffen, wie beispielsweise Selbstkonzept, Selbstwirksamkeit oder Selbsterkenntnis. Dabei wird es je nach Disziplin anders aufgefasst. In der Psychologie wird das Selbst als ein Oberbegriff verwendet für alle kognitiven Komponenten, die eine Person von sich selbst hat, dazu zählen beispielsweise: Gedanken, Erwartungen, Wahrnehmung und vieles mehr. Man könnte sagen, es bezeichnet alle Informationen, die ein Mensch in Zusammenhang mit seiner eigenen Person bereits besitzt, verarbeitet, sammelt und verwendet.

Bereits im Kindesalter beginnen wir, Informationen für dieses Wissen zu sammeln. Grundlage dafür sind unsere Erfahrungen. Merkmale, die wir bewusst einbeziehen und die sprachlich ausgedrückt werden, formen schließlich das „Ich“ oder auch das bewusste Selbst, während nicht alle Aspekte des Selbst bewusst sind. Dazu zählen beispielsweise Gewohnheiten. Daneben lässt das Selbst sich noch weitreichender unterscheiden. Zum Beispiel wird zwischen dem idealen und realen Selbst(konzept) unterschieden, also der Differenz zwischen der Idee, wer man wirklich ist und dem Ziel, wer man gerne sein möchte.

Was bedeutet Reflexion?

Reflektieren bedeutet laut Duden „zurückstrahlen“ oder „nachdenken“. Joy Amulya vom MIT beschreibt den Prozess der Reflexion als einen aktiven Teilnahmeprozess an den eigenen Erfahrungen. Es bedeutet also bewusst auf das eigene Handeln zu blicken und es zu überdenken. Andere Autoren (Ruth-Sahd, 2003) betonen, dass Reflexion nur durch bestimmte Ereignisse, durch die wir Verlust oder Erfolg erleben, ausgelöst wird. Generell kann eine Person bereits vor, während und selbstverständlich nach jeder Situation in Gedanken reflektieren.

Das Wort “Reflexion” an sich wurde vermehrt von Kommunikationswissenschaftlern und Sprachphilosophen (insbesondere in den Phase der postanalytischen Philosophie) aufgeworfen und hinterfragt. Schädelbach bezeichnet sie als “Das Denken des Denkens” und “darum de(n) wichtigste(n) Methodenbegriff der neuen Philosophie”. Kommunikationstheoretisch wird der Begriff vor allem in den Diskurs- und Systemtheorien aufgegriffen.

2. Ergebnis und Nutzen

Wieso Selbstreflexion? Warum ist Selbstreflexion so wichtig?

Nicht erst seit Corona-Zeiten wissen wir: Zurückgeworfen auf uns selbst (oder auf unsere Familie und engsten Vertrauten), können wir viel über unser Denken, Fühlen und Handeln lernen – und uns für die Zukunft rüsten. Wenn wir das wollen. Habe ich erst einmal eine Idee davon gewonnen, wie es im Moment um mich selbst im Miteinander mit anderen Menschen und mit meinem Umfeld steht, kann ich besser abschätzen, welche Auswirkungen mein Denken, Fühlen und Handeln auch in Zukunft haben könnte. Auf mich selbst – und andere.

Systemische Selbstreflexion schärft den „Blick über den eigenen Tellerrand“, erweitert Perspektiven und kann zu einer grundsätzlichen Verbesserung der Kommunikationsbeziehungen und somit zu einer Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen führen. Sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld. Noch einmal: Wenn wir das wollen. Denn: Selbstreflexion bedeutet Arbeit an sich selbst. Nicht das Verändern der anderen steht im Vordergrund (denn wir wissen: das geht nicht und ist vergebene Liebesmüh‘), sondern das Überprüfen der eigenen Anteile an Situationen, in die ich mich häufig selbst hineinmanövriert habe.

Generell lohnt es sich, im Hier und Jetzt zu reflektieren, um schließlich zukünftige Lösungen zu aktivieren. Also: Wir drehen uns weniger um Probleme, sondern kümmern uns darum, was wir verbessern können und wollen. Und wofür das nützlich sein könnte. In einem höheren Sinne: Wie wir zielführendere und wertschätzendere Kommunikationsbeziehungen führen können – und was wir dazu aktiv beitragen können. 

Selbstreflexion ist somit als Fähigkeit zu verstehen, mit derer wir vorausahnen können, wie sich eine Handlung auswirken wird. Diese Fähigkeit ist für den zwischenmenschlichen Umgang von besonders großer Bedeutung. So können wir schon im Vorfeld erkennen und abschätzen, welche Auswirkungen etwas haben könnte. Noch bevor dies überhaupt ausgeführt worden ist. Durch Selbstreflexion kann zum Beispiel häufig bereits im Vorfeld ein Konflikt vermieden werden. Anders ausgedrückt: Selbstreflexion kostet zwar Energie, aber die Energie, die ich häufig ohne Selbstreflexion anwenden muss, ist ungleich höher.

Was bringt mir also Selbstreflexion?

Häufig begegnen wir uns selbst, wenn es um wichtige Übergänge in unserem Leben und um einschneidende Veränderungen geht: Vom Single zum Partner, vom Schüler zum Studierenden, vom Studierenden zum Arbeitenden, vom Paarsein zur Elternschaft, vom Kindsein zum Erwachsenwerden, vom Arbeitenden zum Rentner, vom Gesunden zum Kranken, vom Paarsein zur Trennung. Abschied von Kindern, Abschied von den eigenen Eltern.

Das Ergebnis ist Sich-selbst-Bewusstsein. Ergebnisse von Selbstreflexion können zum Beispiel Selbsterkenntnis oder ein genaueres “Sich-selbst-Bewusstsein” sein. Daraus speist sich häufig auch unser Selbstbewusstsein. Was wir dann genau mit den Erkenntnissen machen, ist eine weitere Frage, die wir uns in diesem Prozess häufig stellen.

Gefällt mir das, was ich herausgefunden habe? Dann kann ich ja so weitermachen. Gefällt es mir nicht, kann ich mich fragen, was ich nun mit diesen Gedanken oder Gefühlen anfange.

Was, wenn mich ein Erlebnis aus der Vergangenheit beschäftigt? Dann kann ich zum Beispiel wählen, wie ich heute auf dieses Erlebnis schaue. Bin ich mir selbst böse, den anderen? Kann ich dieses Erlebnis als für mich wertvoll einstufen oder gräme ich mich darüber? Wir gehen davon aus, dass wir Menschen sehr häufig die Wahl haben, für welche Haltung wir uns entscheiden.

Interessant ist, wie wir diese Erkenntnisse in die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen einbetten. Daher beschäftigen wir uns auch mit aktuellen Meldungen, interessanten Personen oder Links, die rund um das Thema Selbstreflexion erscheinen.

3. Der Prozess der Selbstreflexion: sich selbst kennenlernen

Wie funktioniert Selbstreflexion?

DeSelfie definiert Selbstreflexion als die Fähigkeit über sich selbst nachzudenken. Selbstreflexion funktioniert so gesehen ganz einfach, in dem ich über mich nachdenke. Dabei gibt es viele Methoden, die einen zum Nachdenken anregen können. Wirkliche Regeln zum Reflektieren gibt es nicht.

Eigentlich ist Selbstreflexion für gesunde Menschen etwas ganz Selbstverständliches. Wir reflektieren häufiger, als uns das bewusst ist. Die Frage ist nur: Wie tun wir das? Und wenn ja, worauf achten wir dann genau? Auf Negatives oder auf unsere Ressourcen? Auf Probleme oder auf Lösungen?

Beispielsweise reflektieren wir nach einer Trennung ganz unbewusst: Warum ist das jetzt so passiert wie es passiert ist? Doch inwiefern stellen wir dabei auch unser eigenes Handeln und Verhalten in den Vordergrund? Oder suchen wir die Auslöser eher beim Anderen? Wer konkret als Lernender aus einer Trennung hervorgehen möchte, der wählt ganz bewusste Schritte zur Selbstreflexion. Wir können uns fragen: Ja, was habe ich dazu beigetragen, dass diese Beziehung nun beendet ist? Und was ist das Gute daran? Was habe ich für die nächste Beziehung über mich gelernt? Selbstreflexion kann also ein zielgerichteter Prozess sein. Das Ergebnis: neue Erkenntnisse über sich selbst.

Wenn wir uns bewusst dazu entscheiden, dass wir eine bestimmte Situation oder ein Gefühl hinterfragen wollen, dann hat DeSelfie hier eine Liste von Tools für Dich.

Wie fange ich an, mich selbst zu reflektieren?

Selbstreflexion gelingt nicht Tag für Tag und ständig. Gerade im Alltagstrubel fehlen uns häufig Energie, Lust und Zeit, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen. Und manchmal ist das auch gut so und hat gute Gründe.

Häufig ist eine bewusste Auszeit dafür hilfreich. Erst der Abstand gibt uns die Gelegenheit, uns auf diesen Prozess einzulassen. Und uns auch weniger angenehmen Fragen zu stellen, erste Ideen für Antworten darauf zu finden oder sogar neue Wege zu gehen.

Wer sich dann dafür entscheidet, sich ganz bewusst selbst zu reflektieren, sollte sich erst einmal auf die ersten beiden Schritte konzentrieren:

Erster Schritt

Was genau möchte ich mir genauer ansehen? Welche Situation, welche Gegebenheiten, Gewohnheiten, Verhaltensweisen, Beziehungen? Die Wahrnehmung darauf zu richten, wie es mir mit einem bestimmten Sachverhalt oder einer Beziehung geht, das ist der erste wichtige Schritt. Dass mir zum Beispiel erst einmal klarer wird, nicht nur die anderen sind schuld daran, wie es mir geht, sondern ich selbst trage auch mit die Verantwortung.

Zweiter Schritt

Dann ist es wichtig, sich selbst ein Ziel zu setzen. Denn wofür soll sich die Anstrengung lohnen? Kein Mensch verändert sich, wenn es sich nicht für irgendetwas lohnen würde. Wenn mir das erst einmal klarer wird und ich gute Antworten auf folgende Frage habe – dann sind die ersten wichtigen Impulse gesetzt: Angenommen, die ganze Anstrengung mit der Selbstreflexion hätte sich gelohnt: Woran würde ich das merken? Wenn ich hier zielführende und zufriedenstellende Antworten für mich finde, dann ist das ein guter Anreiz, einen Schritt weiter zu gehen. Dann geht es um die Umsetzung und die ersten kleinen Schritte, die einen Weg machen werden.

Kann man Selbstreflexion lernen?

Ja, Selbstreflexion kann man lernen, wenn man will. Wir Menschen kommen über ganz unterschiedliche Wege in den Kreislauf der Selbstreflexion. Dafür braucht es erst einmal ein Bewusstsein, dass es ein hilfreicher Prozess sein könnte.

Der Kreislauf setzt sich aus fünf Phasen zusammen, die den Selbstreflexionsprozess generealistisch abbilden. Indem du jede einzelne Phase durchgehst, kannst du Selbstreflexion lernen. Mit der Zeit wird der Prozess immer automatischer und intuitiver ablaufen. Wenn du unsicher bist, was du reflektieren kannst, sehe dich in unserem Blog um für Denkanstöße.

DeSelfie – Kreislauf der Selbstreflexion

A. BEWUSSTSEIN FÜR DEN STATUS QUO

Zum Beispiel ein Bewusstsein für ein Problem oder eine neue Situation, in der wir uns befinden. Manchmal hilft uns unser Körper ohnehin ganz unbewusst und zeigt uns, dass irgendetwas nicht stimmt. Oder wir haben eine Krise zu bewältigen. Eine schwierige Situation, ein Neuanfang, ein Abschluss, eine Trennung, den Tod eines lieben Menschen. Hin und wieder aber gibt es gar nichts Konkretes, dann ist es nur so ein diffuses Gefühl in uns, dass etwas nicht in Ordnung ist.

B. BEWUSSTE WAHRNEHMUNG

Die Wahrnehmung darauf zu richten, wie es uns geht, das ist schon mal der erste wichtige Schritt. Dass uns zum Beispiel erst einmal klarer wird, nicht nur die anderen sind schuld daran, wie es mir geht, sondern ich selbst trage auch mit ein Stückchen der Verantwortung. Dafür braucht es manchmal ein bisschen Anregung, wie ich überhaupt dahin komme, klarer zu sehen. Die hat DeSelfie.

C. ZIELE SETZEN

Dann ist es wichtig, sich selbst ein Ziel zu setzen. Wofür soll sich dieser Weg lohnen? Wofür die Anstrengung, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen? Wer würde es als erstes in meinem Umfeld merken? Kein Mensch verändert sich, wenn es sich nicht für irgendetwas lohnen würde. Auch da hilft DeSelfie.

D. KONKRETE MASSNAHMEN PRÜFEN

Und nur, wer sich selbst immer wieder überprüft, wird im Check feststellen, ob er seinem Ziel einen Schritt näher gekommen ist. Dann können wir mit DeSelfie zusammen Erfolge feiern!

Wenn ich dann aber doch merke, das ist mir alles zu anstrengend, kann ich den Kreislauf auch bewusst stoppen und ruhen lassen – um ein andermal noch einmal Anlauf zu nehmen.

Kleine Schritte machen einen Weg und die führen dann auch gestärkt in eine glücklichere Grundhaltung. Das hält auf Dauer psychisch und physisch gesund. Und wer gesund ist, der hat auch genug Elan, den nächsten Herausforderungen zu begegnen.

E. ERFAHRUNG INTEGRIEREN

Welcome, angekommen im DeSelfie-Kreislauf! So kann die eigene Persönlichkeit wachsen. Alles nicht neu … aber vielleicht noch einmal neu darüber nachgedacht. Nun geht es darum, die gemachten Erfahrungen zu integrieren und noch einmal neu zu justieren: Bin ich jetzt da, wo ich hin wollte? Wie sieht die Perspektive auf mich nun aus? Wie auf das Umfeld? Und: Wie soll es nun weitergehen?

Passiert Selbstreflexion immer bewusst?

Nein. Auch wenn wir scheinbar nichts denken oder einfach vor uns hinträumen, ist unser Gehirn aktiv. Es sortiert, kodiert, dekodiert, speichert – und verbindet neu, um sich für neue Aufgaben zu rüsten. Die Neurowissenschaft vermutet, dass dieses “Tagträumen” wichtig für die Identitätsbildung ist und Antworten auf Fragen wie “Wer bin ich?” oder “Was will ich?” findet.

Aufgrund der Beschäftigung mit sich selbst gelingt es dem Gehirn, ein “Ich” aufrecht zu erhalten – selbst wenn ich mich ständig verändere bzw. Veränderungen ausgesetzt bin.
Wenn wir uns dann aber näher mit den ersten Fragen beschäftigt haben, kommen wir häufig eine „Ebene“ tiefer. Wir suchen nach Zusammenhängen und ordnen unsere Erfahrungen entsprechend ein, wir können überlegen, inwiefern die Aufträge, denen wir folgen, innere oder äußere Aufträge sind.

4. Welche Methoden gibt es zur Selbstreflexion?

Grundsätzlich zählt alles, was uns zum Nachdenken über unsere eigene Person bringt als eine Methode der Selbstreflexion. Das kann eine Frage, ein Buch oder auch ein Konflikt sein. Das ist zu ungenau für dich? Kein Problem.

Selbstreflexion kann als Kreislauf verstanden werden. Diese Sicht auf Selbstreflexion kann helfen, sich selbst durch den Prozess aufmerksam zu steuern. Daher solltest du dich als Einstieg mit dem Kreislauf vertraut machen.

Selbstreflexion ist in jedem Fall ein Lern- und Erfahrungsprozess. Manchmal dauert eine bewusste Auseinandersetzung nur kurze Zeit, manchmal viele Jahre oder ein Leben lang.

4. 1. Hilfreiche Fragen zur Selbstreflexion

Da wir Menschen sehr unterschiedlich sind und unsere Veranlagung, unsere Erfahrungshintergründe, unsere Erziehung und Sozialisation ebenfalls, hilft es dem einen Menschen zum Beispiel besonders, sich eine bestimmte Frage zu stellen, während der andere auf ganz andere Dinge setzt.

Mögliche Fragen, die wir uns in diesem Prozess stellen, können sein:

  • Was zeichnet mich aus?
  • Welche Wünsche habe ich für mein Leben und was fehlt mir?
  • Inwiefern trage ich was selbst zum Erfolg/zur Zufriedenheit/zum Gelingen bei?
  • Angenommen, ich würde in zehn Jahren sagen können: Alles richtig gemacht. Woran würde ich das festmachen?
  • Habe ich eine Idee, was mich glücklich und zufrieden macht?
  • Tue ich in meiner Arbeit das, was meinen Stärken entspricht? Oder: Tue ich in meiner Freizeit das, was meinen Neigungen entspricht?
  • Was kann ich gut?
  • Welche Charaktereigenschaften machen mich aus?
  • Welche meiner Stärken sollen auch andere wahrnehmen?
  • Wohin will ich mit meinen Stärken kommen? Wohin nicht?
  • Was sind meine Werte?
  • Wonach möchte ich streben?
  • Welche Merkmale möchte ich weiter in mir ausbilden?
  • Wovon sollte ich mehr, wovon weniger…um…zu?

Diese Gedanken dazu kann man sich alleine machen und zum Beispiel auf ein Blatt Papier oder in ein schönes Notizbuch schreiben. Oder aber man sucht sich einen Sparringspartner, der mit einem solche Fragen erarbeitet.

Fragen zur schriftlichen Selbstreflexion

Ein sehr beliebtes Beispiel ist „das Ich“, das ich einfach in Körpergestalt auf ein Blatt Papier male. Ich stelle mir vor, wie ich mich selbst als gesamten Menschen in voller Größe ansehe und mir Gedanken mache zu meinen einzelnen Teilen:

  • Kopf: Was geht mir im Moment durch den Kopf?
  • Blick auf den Hals: Sitzt mir etwas im Nacken – und wenn ja, warum?
  • Zum Bauch: Mein Bauch sagt mir…
  • Zum Herz: Mein Herz schlägt für….
  • Die Hand: Das geht mir leicht von der Hand…
  • Der Fuß: Mein nächster Schritt ist…
  • Über das Gesamtbild: Was trägt mich auch in schwierigen Zeiten?
Selbstreflexion ist in jedem Fall ein Lern- und Erfahrungsprozess. Danke pexels, rawpixels

4. 2. DeSelfie Blog

Das beste Tool, um sich selbst zu reflektieren, lautet: Inspiration. Und die bieten unsere vielen Artikel. In den Artikeln greifen wir Themen auf, die sich beispielsweise in unseren Workshops und Coachings wiederholen und daher viele Leute beschäftigen. All unsere Artikel beinhalten spannende Selbstreflexionsfragen und gründen einerseits auf wissenschafltichem Hintergrund und andererseits auf persönlichen Erfahrungsberichten.
Dabei lassen sich folgende Kategorien unterscheiden:

4. 2. 1. DeSelfie Wissen

Diese Artikel sind im wissenschaftlichen Kontext zu sehen. Zum Beispiel liegen ihnen wissenschaftliche Studien zugrunde, die uns zur Selbstreflexion anregen können. Themen können beispielsweise sein:

4. 2. 2. DeSelfies

Als „DeSelfies“ bezeichnen wir all unsere Artikel, in denen Menschen von ihren persönlichen Erfahrungen berichten. Genauer gesagt sind es schriftliche Selbstreflexionen. Eine Auflistung aller Artikel findet ihr hier.

4. 2. 3. Herausgepickt

Hier picken für euch spannende Artikel, Forschungen und Studien rund um das Thema Selbstreflexion raus. Für Schnell-Leser. 

4. 2. 4. DeSelfie Newsletter

Für alljene, die vom Reflektieren nicht genug kriegen und sich selbst noch ein wenig mehr auf die Spur kommen wollen, haben wir einen Newsletter eingerichtet, in dem wir regelmäßig über die neuesten Infos berichten oder Challenges verschicken. Hier kannst du dich anmelden.

4. 2. 4. DeSelfie Podcasts

Unsere besten Artikel zum Hören – findest du hier .

4.3 DeSelfie Methoden

Neben den vielen gesammelten Methoden, die wir unseren Leser bereitstellen, haben wir bei DeSelfie spezifische Methoden zur Selbstreflexion herausgegriffen und selbstständig weiterentwickelt:

4.4. Inspirierende Werke und Persönlichkeiten

DeSelfie verlinkt und teilt Werke zum Thema Selbstreflexion: Bücher, Talks, Zitate, Vorträge und Ideen renommierter Persönlichkeiten aus unterschiedlichsten Fachbereichen, die direkt oder indirekt einen wertvollen Beitrag zum Thema Selbstreflexion liefern.

Wir verlinken euch die Beiträge zu unseren Buchempfehlungen und stellen euch prägende Persönlichkeiten vor:

4. 5. Körper- und Entspannungsmethoden

Selbstreflexion ist ein gedanklicher Prozess, der mit sehr wertvollen körperorientierten Methoden unterstützt werden kann.

Wenn wir beispielsweise gestresst sind oder uns innerlich bedroht fühlen, arbeitet unser Gehirn anders. Evolutionsbiologisch war das wichtig, damit wir unsere Energie und Aufmerksamkeit auf das lenken konnten, was wirklich wichtig war z.B. die Bedrohung durch ein wildes Tier zu bewältigen. Heute ist die Reaktion zwar oft immer noch dieselbe, doch die Auslöser sind deutlich ungefährlicher – oder: weniger lebensbedrohlich.

Körperorientierte Methoden können helfen, uns in einen entspannten Zustand zu versetzen, der es uns ermöglicht, unser gesamtes Gehirn für die Selbstreflexion nutzbar zu machen.

4. 6. Methoden der positiven Psychologie

Die Positve Psychologie ist eine noch recht junge Teildiszipilien der Psychologie. Sie beschäftigt sich weniger mit der Erklärung von Problemen und psychologischen Symptomen, sondern mehr mit der Forcierung der bisherigen Stärken. Unsere Expertin für positive Psychologie, Charlotte Friedrich, stellt die besten Methoden vor, die unsere Reflexionsfähigkeit fördern und das Beste aus uns herausholen können:

4. 7. Routinen

Auch – wenn auf den ersten Blick recht unspektakulär –  wirkt diese Methode Wunder: Wie wir bereits geschrieben haben, läuft Selbstreflexion häufig so oder so ab – auch, wenn wir sie nicht steuern.

Daher kann eine Routine helfen, regelmäßig inne zu halten und über bestimmte Dinge nachzudenken. Es bietet sich an, Selbstreflexion in die Morgenroutine miteinfließen zu lassen. Auch das Tagebuchschreiben am Abend bietet sich wunderbar als Selbstreflexionsroutine an.

4. 8. Selbstreflexion mit Hilfe von Coaching, Workshops und Supervision

Menschen, denen es schwer fällt, sich alleine zu reflektieren, können dies im Dialog tun mit einem Coach oder im Rahmen eines Workshops.

DeSelfie empfiehlt dabei Coaches mit systemischer Grundhaltung. Systemiker sind grundsätzlich für den Prozess verantwortlich, nicht für die Lösungen. Die findet jeder Coachee für sich selbst – und zwar häufig schon nach ein paar Sitzungen.

Ein Workshop eignet sich gut, wenn ein Team oder auch eine nicht zusammengehörige Gruppe von Menschen Themen reflektieren möchte.

Eine von DeSelfie bewährte Methode ist die Lego Serious Play Methode, bei der bestimmte Situationen mit Hilfe von Legofiguren gebaut und lustvoll reflektiert werden können.

Vor allem für Experten wie Coaches, Berater, Supervisoren und Therapeuten ist Selbstreflexion unausweichlich – und unabdingbar. Studien zeigen, dass sensible Coaches mehr Erfolge mit Coachees erzielen können. Um die eigenen Sensibilität zu schulen, hilft regelmäßiger Austausch in Form von Supervision.

Was ist Selbstreflexion? DeSelfie ist das Portal rund ums Thema. Danke pexels, rawpixels

5. Selbstreflexion im Alltag: Zusammenhänge untersuchen

5.1 Selbstreflexion im Arbeitsleben

Vor allem die Digitalisierung hat nicht erst seit Corona ihr übriges getan: Selbstreflexion gewinnt in Bezug auf unser Arbeitsleben immer mehr an Bedeutung.  Die Anwendungsmöglichkeiten und Zielsetzungen von Selbstreflexion im Berufsalltag sind vielfältig. Lösungsorientiert eingesetzt, bringen sie im jeweiligen System viel in Bewegung.

Gerade das Thema Digitalisierung, das aktuell fast jedes Unternehmen bewegt, ist ein vielseitiges Spannungsfeld. Denn: Sie verändert viele unserer Gewohnheiten im Arbeitsalltag. Gegenstand einer Sondierungsreflexion kann beispielsweise sein: Inwiefern setzen wir neue Technologien und Arbeitsweisen erfolgreich ein – und was macht das mit unseren Mitarbeitenden? Inwiefern bringen sie für die veränderte Situation den Willen zum Erfolg auf – und erfüllen dafür auch die fachlichen Voraussetzungen?

In unserer modernen Arbeitswelt hinterfragen wir beispielsweise, inwiefern Homeoffice, flexible Arbeitszeiten oder auch ein Fünf-Stunden-Arbeitstag sinnvoll sein können. Aber auch staatliche Institutionen, wie die Bundesagentur für Arbeit, startet Initiativen, wie beispielsweise die Berufsberatung per Whatsapp. Das gestiegene Tempo in Prozessen, Abstimmungen und virtueller Kommunikation über Zeitgrenzen und Länder hinweg, stellt Manager vor die große Herausforderung, noch schneller Entscheidungen zu treffen als früher.
Gleichzeitig verändern sich viele Strukturen in Unternehmen grundlegend. Ein guter Umgang mit Unsicherheit gehört heute für viele Menschen zum Alltag. Wer das nicht gut schafft, kann auf lange Sicht krank werden. Auch die Wünsche der jüngeren Generation prägen unser tägliches Arbeitsleben: Erkenntnisse etwa, wie darüber, dass Millennials mehr Wert auf Spaß als auf Geld in der Arbeit legen würden, zwingt Führungskräfte dazu zu überdenken, mit welcher Haltung sie ihren Mitarbeitern generell gegenübertreten wollen und, wie sie ihre Mitarbeiter motivieren können. Zugleich sind Personalabteilungen / Human Resources gefragt: Wenn es um zeitliche Flexibilität und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, wenn die Anpassung von Werten und Kultur in Unternehmen ansteht und wenn Menschen an bisher noch eher ungewöhnlichen Arbeitsrollen oder Arbeitszeitmodellen interessiert sind, sind sie ein wichtiger Hebel.
Selbst wenn der Verdienst bei einigen unter uns ein wenig mehr in den Hintergrund – und der in der Arbeit Sinn in den Vordergrund – rücken sollte, ist das Thema der Gleichbezahlung auf einer Funktionsebene hinsichtlich des Geschlechts immer noch ein relevantes Thema. Auch starre Budgets mit fixen Bonuszahlungen werden zunehmend hinterfragt. Im Zuge der Digitalisierung sind viele von uns mehr denn je gefordert, flexibler im Denken und Handeln zu werden – mehr Selbstverantwortung zu übernehmen und eigenständigeres, verantwortungsbewusstes Handeln unter Beweis zu stellen. Kein leichter Weg! Und sicherlich nicht in allen Branchen gleich stark ausgeprägt. Dennoch: Tendenzen sind gut nachvollziehbar. Meistens geht es bei den Veränderungsthemen jedoch nicht um das Einüben stupider Methoden, sondern eher um die richtige Einstellung dahinter. Dann haben Mitarbeiter und Führungskräfte die Chance, zum Beispiel agilen Methoden und Agilität so zu leben, wie es die Arbeitsumgebung ermöglicht oder fordert. Teams können über die Welt – oder Home Offices in der gleichen Stadt – verteilt sein und nicht erst seit Corona wird mehr und mehr online kooperiert. Wer sich schnell auf verändernde Marktentwicklungen anpassen kann, wird gewinnen, auch in Zukunft. Zugleich ist es wichtig, eine Balance zwischen Agilität und Entschleunigung zu finden. Wem durch regelmäßige Reflexion auffällt, dass sie oder er die digitalen Technologien übermäßig viel nutzt, kann seine Balance durch Digital Detox wiederfinden.

Wie wir uns im Beruf verhalten, welche Rolle wir einnehmen, sagt viel über uns aus. Durch Selbstreflexion kommen wir aktiv an diese Informationen über uns heran. Es gibt beispielsweise Menschen, die immer zur Arbeit kommen, auch, wenn sie krank sind. Wir alle kennen sie! Das sogenannte Phänomen nennt sich Präsentismus. Wenn Sie sich darin wiedererkennen, können Sie diese Gelegenheit nutzen, um zu hinterfragen, wieso sie sich eigentlich krank zur Arbeit schleppen und nur im schlimmsten Fall, wenn der Chef einen nach Hause schickt, auch wirklich zu Hause bleiben. Meistens mit schlechtem Gewissen.

Jeglicher Übergang in unserem Leben begünstigt Selbstreflexion. Auch das Ende, sowie der Wechsel von Berufen, kann Selbstreflexion in unser Leben einladen. So ist es nicht selten, dass eine Kündigung uns dazu anregt zu hinterfragen, was schiefgelaufen ist und was ich über mich lernen kann. Oder anders gefragt: Wie habe ich das geschafft? Daraus können wir wiederum Vorstellungen ableiten, wie unsere Arbeitsstelle und unser Arbeitsalltag zukünftig und optimalerweise aussehen soll. Wir lernen, mit welchen Cheftypen wir warum wie gut klar kommen – oder nicht – und wie sich der jeweilige Führungsstil auf unsere Motivation auswirkt. Mehr von uns als wir denken (nämlich ca. 65 Prozent aller Arbeitnehmer) erleben sogar die sogenannte innere Kündigung – also einen Zustand, in dem ein Mitarbeiter zwar noch beschäftig ist und seiner Arbeit nachkommt, aber innerlich keinerlei Motivation und Identifikation mit der Firma mehr besteht. Dieses Phänomen kann in dem betroffenen Mitarbeiter ein großes Identifikationsproblem auslösen. Denn man tut täglich etwas, das man nicht tun will. Genau aus diesem Grund führt dieser Zustand häufig zu der Frage „Wer bin ich eigentlich?“ – die Antwort liefert Selbstreflexion. Auch im Bewerbungsprozess ist Selbstreflexion entscheidend. Immerhin geht es ja darum, dass wir uns best möglich darstellen und den neuen Arbeitgeber überzeugen wollen, dass er uns auswählt.

Was hat Führen in Unternehmen mit Selbstreflexion zu tun?

Gute Führung in Unternehmen und in der Arbeitswelt hat viel mit Selbstreflexion von Seiten der Führungskräfte – und auch der mündigen Mitarbeiter – zu tun. Wer sich und sein Kommunikations- und Beziehungsverhalten gut kennt, der lernt sich als Führungskraft immer besser einzuschätzen. Vor allem, wenn es um die eigene Kommunikation und deren Auswirkungen geht. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit, in der es wichtig ist, flexibel zu sein, zu fokussieren und zu priorisieren, braucht es Selbstreflexion mehr denn je. Leider trauen sich nicht alle Führungskräfte, sich selbst infrage zu stellen. Viele junge Menschen sind heute anders als früher erzogen worden und kommunizieren mit ihren Eltern auf Augenhöhe. Das ist für Führungskräfte oft herausfordernd. Sie werden in Entscheidungen miteinbezogen und auch die Pädagogikwelt in Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen hat sich Partizipation auf die Fahnen geschrieben. Damit müssen auch Unternehmen umgehen lernen.

In der Tat wird der Begriff der Selbstreflexion häufig in der Pädagogik oder der Sozialen Arbeit verwendet. Das ist ein wunderbarer Erfahrungsschatz, aus dem auch die Unternehmens- und Profit-Welt profitieren kann.

Hinterfragen müssen Führungskräfte dabei auch immer mehr, wie sehr sie als richtungsweisende Führungskraft auftreten – oder nicht. Müssen Aufgaben konkret vorgegeben werden – oder wie schafft man es, seine Mitarbeiter aktiv mit einzubeziehen? Wieviel kann der jeweilige Mitarbeiter leisten? Was sind seine Stärken? Überfordert man seine Mitarbeiter, verbrennt man sie langfristig. Unterfordert man sie jedoch, kann statt Burnout Boreout die Folge sein, was genau so wenig hilfreich ist. Und was ist eigentlich, wenn Mitarbeiter selbst den Hut nehmen? Wie gehe ich damit als Führungskraft oder als Teil der Personalabteilung um, wenn Mitarbeiter selber kündigen? Ist es mir und uns als Unternehmen egal? Kümmere ich mich um ein gutes „Exit“-Gespräch? Die Bewertungen auf kununu werden ihr übriges tun, wenn nicht. Besonders dann sollten Führungskräfte beginnen, sich und die Firmenkultur kritisch zu hinterfragen.

5.2 Selbstreflexion in der Persönlichkeitsentwicklung

Selbstreflexion ist ein wichtiger Wegbereiter der Persönlichkeitsentwicklung. Denn: Nur wenn wir etwas über uns selbst ahnen oder wissen, können wir darüber nachdenken und uns weiter entwickeln. Daher steht die Selbstreflexion am Beginn jedes Transformationsprozesses und stellt sicher, dass wir wissen, welches Ziel wir erreichen wollen. Einfach ist dieser Schritt nicht – und er erfordert Mut. Die gute Nachricht: Mit Hilfe von Selbstreflexion kann man auch mutiger werden.   

Selbstreflexion führt uns häufig zu Themen, die wir ändern wollen. Oft ist es genau der Leidensdruck, der uns in den Kreislauf der Reflexion bringt. Wir haben Themen, die sich in unserer Lesercommunity häufen, aufgegriffen – und Beiträge dazu verfasst.

In diesen Beiträgen verlinken wir wissenschaftliche Informationen und Selbstreflexionsfragen, die helfen sollen, die jeweilige Thematik zu hinterfragen. Vielleicht findst auch du hier eines deiner Themen wieder und hast gleich einen ersten Anlaufpunkt, um dich selbst zu reflektieren:

5.3 Selbstreflexion im Geschehen der Zeit / Selbstreflexion und Gesellschaft

Beinahe selbstverständlich reflektieren wir auch tagtäglich das, was uns widerfährt, was die Nachrichten senden – und was unsere Gesellschaft beschäftigt. Auf DeSelfie finden Sie daher auch Artikel über Themen zu gesellschaftlichen und technologischen Themen und deren Zusammenhänge – Themen also, die uns alle beschäftigen. Seit Covid-19 haben wir die gesellschaftliche Relevanz von Selbstreflexion erfahren: Wie geht es mir aktuell mit den Gegebenheiten, wie meiner Umwelt? Was kann ich tun, um gut durch die Krise zu kommen? Was kann ich für meine Mitmenschen tun, was muss ich lassen, worauf muss ich verzichten? Wie ist meine Haltung zu Corona-Apps, wie meine Einstellung zu den Empfehlungen und Vorschriften durch Politik und Medizin? Was lerne ich aus Krisen wie diesen für mich persönlich, für die Prioritäten in meinem Leben?

Beispielsweise können wir hinterfragen, inwieweit künstliche Intelligenz in unseren Alltag einfließen kann/darf – und welche Regeln dafür implementiert werden müssten. Denn jeder einzelne wird im Endeffekt eine Entscheidung treffen, wie stark er / sie moderne Technologien (Internet, Google, Apps, KI) akzeptiert, in sein Leben integriert und gleichzeitig aufgeklärt in Sachen Datenschutz nutzt. Wie gehe ich mit meinen Daten im Netz um? Die Nachfrage an technologischen Neuerungen wird die Entwicklung und Kontrolle dieser maßgeblich beeinflussen. Ein gutes Beispiel für Gegenentwicklungen von Mainstream-Themen in den Sozialen Netzwerken ist das „Chinning Phänomen“, das im Gegensatz zu den perfekten Selfies genau das Gegenteil abbilden soll: nämlich absichtlich unvorteilhafte Selfies. Außerdem greifen wir bei DeSelfie Zeit-Phänomene auf, wie etwa die Rückkehr der Polaroid Kamera. Was bedeutet es, wenn wir moderne Technologien mit deutlich mehr Leistung freiwillig für rudimentäre Geräte aufgeben? Negative Schlagzeilen können ebenfalls als Anhaltspunkt dienen, um Selbstreflexion anzukurbeln – bestimmt erinnern Sie sich an die #metoo-Debatte. Auch diese lässt DeSelfie nicht unkommentiert und greift auf, wie Männer sich dadurch mehr reflektieren können.

Warum ist Selbstreflexion in Corona-Zeiten so wichtig?

Häufig tritt Selbstreflexion dann ein, wenn wir vor einer völlig neuen Situation stehen – und Veränderungen das Leben prägen. Seit der Corona-Krise haben viele unter uns ihr Leben, ihren Alltag, ihr Grundverständnis von dem, was sie selbst als lebens- und erstrebenswert finden, noch einmal neu bewertet.

Im Prinzip haben wir jeden Tag die Chance, uns zu fragen:

  • Was ist mir wirklich wichtig?
  • Was kann ich aktiv zur Bewältigung meiner eigenen Krise beitragen?
  • Was lerne ich für mich aus dieser einschneidenden Erfahrung?
  • Welche Auswirkungen wird meine veränderte Haltung auf mein Umfeld haben?
  • Wie werde ich in Zukunft mit wichtigen Werten wie Freiheit umgehen?
  • Inwiefern kann ich Dankbarkeit und Demut in mein Leben einladen – und was verändert sich dadurch?

All das können wir tun, um nach Corona entsprechende Vorhaben umzusetzen.

Warum ist Selbstreflexion heute so wichtig?

Nicht erst seit Corona-Zeiten wissen wir: Generell lohnt es sich, im Hier und Jetzt zu reflektieren, um schließlich zukünftige Lösungen zu aktivieren. Also: Es macht durchaus Sinn, sich darauf zu fokussieren, was wir an unserem eigenen Denken, Fühlen und Handeln verbessern können und wollen.

Und wofür das nützlich sein könnte. In einem höheren Sinne: Wie wir zielführendere und wertschätzendere Kommunikationsbeziehungen führen können – und was wir dazu aktiv beitragen können.  Selbstreflexion ist somit als Fähigkeit zu verstehen, mit derer wir vorausahnen können, wie sich unsere Handlungen auswirken werden. Diese Fähigkeit ist für den zwischenmenschlichen Umgang von besonders großer Bedeutung. Vor allem in der sich schnell wandelnden, digitalisierten und vernetzten Welt wie der unsrigen.

Warum ist Selbstreflexion in Zukunft so wichtig?

Weil wir in einer sich schnell und ständig wandelnden Welt leben.

Weil es sich lohnt, darüber nachzudenken, was wir beibehalten möchten und was wir ändern wollen.

Weil es nicht reicht, zu sagen, „es muss ich etwas ändern“. Jeder ist selbst gefragt, an sich zu arbeiten.

Weil unsere digitalisierte, vernetzte Welt mehr denn je mündige und reife Bürger braucht.

Weil wir nicht mehr im Industriezeitalter leben, in dem das Leben noch linear planbar und überschaubarer war.

5.4 Selbstreflexion in der Pädagogik

Was bedeutet Reflexion in der Pädagogik?

Pädagogen in der Schule, in der Erziehungswelt oder Berater und Trainer in der beruflichen Erwachsenenbildung werden immer wieder dazu angehalten, über sich selbst und die Klassen bzw. Gruppen, mit denen sie arbeiten, zu reflektieren. Für sie ist das Wort Selbstreflexion nichts Neues – im Gegenteil, es sollte wesentlicher Bestandteil ihrer Ausbildung sein und hat damit bei den meisten eine Sonderstellung in ihrem beruflichen Kontext.  

Wieso gerade dieses Berufsfeld sich so intensiv mit Selbstreflexion beschäftigt, könnte damit zu begründen sein, dass das Wirkungsfeld generell etwas mit der Entwicklung des Menschen zu tun hat. Nun könnte man natürlich zu Recht gegenfragen: Hat das nicht jeder Mensch in seinem Job, irgendwie? Wäre es nicht hilfreich, wenn sich Führungskräfte jeglicher Branche reflektieren, denn auch sie haben mit Menschen zu tun? Sollten Vorbildcharakter haben? Sollte sich nicht jeder Mitarbeiter reflektieren, der mit Kunden zu tun hat und in einem Kommunikationsverhältnis mit ihnen steht? Jedes Elternpaar? Paar? Wir Menschen generell? Es ist anzunehmen, dass gerade Pädagogen oft in schwierige Konfliktsituationen geraten können. Da es dabei äußerst wichtig ist, sich selbst gut zu kennen. Um nicht eine eigene Thematik in den Konflikt zu projizieren, lernen Pädagogen diese Methode früh kennen. Auch in Sachen Weiterbildung sind wir mittlerweile auf dem Forschungsstand, dass Trainings nach dem Gießkannenprinzip nicht so wirksam sind wie Unterstützung, die auf einer Kombination aus Selbstreflexion und Erfahrungslernen basiert. Daher finden sich Experten für zwischenmenschliche Probleme, wie Psychologen und Psychiater, in Supervisionen zusammen, um gemeinsam zu reflektieren. Selbstreflexion ist in der Pädagogik eine Herangehensweise, mit der Pädagogen lernen, ihren Job gut auszuführen und ihre eigene Psyche gesund zu halten.

Wie schreibe ich eine Selbstreflexion?

Ein in der Pädagogik häufig eingesetztes Mittel, um das eigene Handeln zu überdenken, ist die schriftliche Selbstreflexion. So finden sich Auszubildende, Studierende, aber auch beispielsweise Sozialarbeiter vor der Aufgabe, eine Selbstreflexion zu verfassen.

Auch in Abschlussarbeiten wie Bachelorarbeiten oder Masterarbeiten mancher Studiengänge wird oft am Ende der Abhandlung eine Reflexion der vorangegangenen Seiten verlangt. Dort erwarten die Prüfer, dass die Bacheloranden oder Masteranden reflektieren, wie es ihnen bei der Bearbeitung der Fragestellung und im Prozess bishin zur Abgabe ergangen ist – und vor allem: Was sie daraus gelernt haben. Auch, was sie im Nachhinein anders machen würden. Diese Form der schriftlichen Reflexion ist besonders wirksam, auch um zu verstehen: Was ist mir gut gelungen? Was würde ich nächstes Mal besser machen? Wie kann ich besser werden?

Eine Selbstreflexion zu schreiben, setzt voraus, zunächst den Begriff verstanden zu haben. Wenn man diesen verstanden hat, erkennt man, dass sich die Abhandlung vor allem dadurch kennzeichnet, dass der Gedankenprozess des Reflektierens in einem strukturierten Dokument mit Überschriften, Absätzen und allem, was dazu gehört, abgebildet wird.

Im Gegensatz zu der beispielsweise klassischen Erörterung gibt es keine klaren Vorgaben, wie dieses Schriftstück aufgebaut sein soll. Oftmals wird vorgegeben, dass ein bestimmter Zeitraum oder eine bestimmte Situation behandelt werden soll. In diesem Fall sollte dieser Zeitraum zunächst einmal erklärt werden und grundlegende Verständnisfragen beantwortet werden.

Wir schlagen folgende Struktur vor:

1. Ausgangssituation und Herausforderungen

Was waren der Ausgangspunkt und die Herausforderungen der Situation, die wir reflektieren wollen? Und: Wie genau war die Situation, was waren die Chancen und Hürden, wer oder was war involviert? Was war der Kontext? Was waren die Erwartungen – und warum?

2. Ziel und Weg

Nach Erklärung der sachlichen Handlungsebene der individuellen Erfahrung kann man darauf eingehen, wie sich der Weg zum Ziel retrospektiv angefühlt hat. Was hast du gemacht, gedacht, gefühlt? Die Abhandlung sollte deine innere Gefühlswelt widerspiegeln. Wie hast du dich in dieser Situation gefühlt? Was waren deine Gedanken zu Situation / Vorfall X? Hier kann es auch hilfreich sein, auf deine Erwartungen an eine bestimmte Situation einzugehen, da diese oftmals beeinflussen, wie wir uns dann im Nachhinein fühlen. Auch bestimmte Ergebnisse und Erkenntnisse, die du gesammelt hast, können hier einfließen.

3. Systematische Reflexion des Gelernten

Im dritten Teil ist es wichtig, deine persönliche Lernreise zu beschreiben. Nur, weil du in einer bestimmten Situation eine bestimmte Emotion erlebt hast, bedeutet das nicht, dass du nachträglich, nach erneutem Überdenken der Situation, immer noch identisch denkst. Dieser Punkt eignet sich also besonders, um von Erfahrung zu profitieren, indem du widergibst, was du gelernt hast oder zu welcher Erkenntnis du gekommen bist. Egal, wie klein diese in deinen Augen scheinen mag, lohnt es sich das wertzuschätzen. Denn Selbstreflexion ist ein zielgerichteter Prozess mit Ergebnis, mehr Wissen über uns selbst als zuvor zu haben.

4. Integration in zukünftige Vorhaben

Als letzten wichtigen Schritt, solltest du kurz darauf eingehen, was von dem Gelernten du in Zukunft versuchen möchtest anders zu machen. Hier sprechen wir von „Integration“ des Gelernten.

Auch auf DeSelfie haben Leute die Möglichkeit, Erfahrungsberichte mit anderen entweder zu teilen oder ihre Geschichten zu lesen. In unserer Rubik „DeSelfies“ könnt ihr diese als Inspiration für eure eigenen Selbsterfahrungsberichte nutzen.

Wo finde ich geschriebene Selbsterfahrungsberichte?

„DeSelfies“ nennen sich die Beiträge auf DeSelfie, in denen die Autoren sich selbst „entschlüsseln“ und ihre Erfahrungen schriftlich reflektieren. All diese haben wir hier für euch verlinkt:

DeSelfie-Gründerin Astrid Dobmeier erzählt uns, wie sich einst der Führungsstil ihres einstigen Chefs auf ihre ganz persönliche Motivation auswirkte. Und, wie man Partizipationslust von Mitarbeitern auch ganz schön eindämmen kann. Sie lernte im Laufe ihres Berufsweges außerdem, wie wichtig Erfahrungen von Kündigung und Trennung für unsere Persönlichkeitsentwicklung sind. Dadurch lernte sie auch, dass Familie und Beruf sehr wohl vereinbar sind und berichtet aus ihrer Zeit als Führungskraft in Teilzeit. Sie selbst gelang erst aktiv in den Reflexionskreislauf, „als der Leidensdruck hoch genug war“, wie sie selbst sagt.

Mitgründerin Carina Rothenbücher erzählt, wie sie durch Reisen Erkenntnisse über sich selbst gewann.

Unsere Expertin für positive Psychologie, Charlotte Friedrich, hat sich gewagt, und eine 10-tägige Schweigemeditation ausprobiert. Sie berichtet außerdem, was sie in ihrem Yoga-Retreat über Selbstfürsorge lernte und wie man sich mit der Wim-Hof- Methode gegen Kälte wappnen kann.

Eliana Wemmje berichtet, wie sie neue Kraft aus ihrer Krise schöpfen konnten und wieso Krisen erstens normal und zweitens auch wichtig für uns sind.

Nicole Zepter schreibt über eine sehr persönliche Erkenntnis: Sie hatte unbewusst Muster ihrer Mutter übernommen.

Der Autor Colors berichtet von seinem Studienabbruch und davon, wie er den Mut gefasst hat, etwas Neues zu beginnen. Ironischerweise lernte er gerade in dieser schwierigen Zeit seine Partnerin kennen und erzählt und über den richtigen Zeitpunkt zum Verlieben.

Unser Autor Samuel berichtet, was er in seinem ersten halben Jahr im Arbeitsleben lernte.

5.5 Selbstreflexion für Studierende

Nicht selten ist die Studienzeit jene Zeit schlechthin, in der viele junge Menschen beginnen, sich vermehrt zu hinterfragen. Selbstreflexion beschäftigt Studierende insbesondere, da sie sich in dieser Zeit gewöhnlich zu einem Erwachsenen entwickeln und immer mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen.

Außerdem werden im Austausch mit anderen Studierenden viele neue Erfahrungen gesammelt, die Anstoß zum Nachdenken geben: Bin ich auch so? Warum bin ich anders? Welche Werte verbinden mit mit anderen? Einige Studierende bringen auch typische Themen, wie etwa die Anwesenheitspflicht in bestimmten Seminaren oder das Thema Studiengebühren dazu, sich selbst und ihre Umwelt zu hinterfragen. Ebenso können Studienwahl, Studienabbruch oder Studienwechsel Themen sein, die Menschen in dieser prägenden Zeit beschäftigen und in den DeSefie Kreislauf führen. Auch wenn der Abbruch eines Studiums ein schwieriger Schritt sein kann, ist es für manche Menschen der richtige. Zuvor sollte diese Entscheidung jedoch gut abgewägt und reflektiert sein.

Auch wenn der Abbruch eines Studiums ein schwieriger Schritt sein kann, ist es für manche Menschen der richtige. Zuvor sollte diese Entscheidung jedoch gut abgewägt und reflektiert sein. 

5.6. Selbstreflexion im Zusammenhang mit Yoga und Achtsamkeit

Manche Menschen kommen über das Yoga zur Selbstreflexion – oder umgekehrt. Im Yoga wird Selbstreflexion „Svadhyaya“ genannt: „Studium“ (Adhyaya) des „Selbst“ (sva). Svadhyaya gehört zu einem der acht Glieder des Yoga, die im Yoga Sutra beschrieben werden.

Die Praxis des Selbststudiums bezieht sich einerseits auf das Verständnis für einen selbst und andererseits auf die Fähigkeit der Selbstbeobachtung. Denn nur, wenn wir uns selbst beobachten, können wir wiederkehrende Handlungen und Reaktionen erkennen und – wenn wir das wollen – ändern.

Selbstreflexion, auf Sanskrit „Atma Vichara“ genannt, heißt „Reflexion darüber, was alles im Leben ist“. Im Yoga hat Selbstreflexion zwei Bedeutungen: Die eine Bedeutung ist, über das höhere Selbst nachzudenken. Die andere meint Fragen wie: “Wer bin ich wirklich? Was ist meine wahre Natur?“

5.7. Selbstreflexion auf Reisen

Was hat Selbstreflexion mit Reisen zu tun? Viel! Herausgerissen aus unserer Routine und „Normalität“, lernen wir uns noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise kennen. Dies lässt sich sogar in Studien bestätigen.

Wir alle kenne sie – die sogenannte Komfortzone – aus der wir uns ungerne heraustrauen. Wieso auch? Es ist ja dort recht gemütlich und selten gefährlich. Bloß kann man nicht seine eigene Umwelt mit in den Urlaub nehmen, denn dafür reist man ja, um etwas Neues zu sehen.

Auf Reisen kommen wir dann oftmals in herausfordernde, aber auch unglaublich schöne Situationen. Wie im DeSelfie-Kreislauf erklärt, regen uns oftmals diese zum Nachdenken an, wieso etwas so gut oder so schlecht gelaufen ist.

Ein weiterer Grund, wieso Reisen sich so gut zum Reflektieren eignen, ist die Absenz vom Handy: Man hat nicht immer Zugriff auf Internet und kann sich damit also nicht ständig ablenken. Auch ist es heute durchaus üblicher als früher, alleine zu reisen. Und: Wer alleine reist, ist lange Zeit auf sich selbst gestellt – und hat kein direktes Gegenüber, das ablenkt. Außerdem lernen wir beim Reisen immer etwas Neues dazu – einerseits natürlich über ein anderes Land, über die Kulturen, Geschmäcker etc., aber auch über sich selbst. Dieses Alleinsein und alleine Sein ist es, was die Selbstreflexion ausmacht. In einem unserer DeSelfies kannst du nachlesen, was Carina von der DeSelfie-Redaktion auf ihrer Reise über sich lernte

5.8. Selbstreflexion im Zusammenhang mit Unsicherheit, Krankheit, Trennung oder Tod

Häufig tritt Selbstreflexion dann vermehrt ein, wenn wir vor einer völlig neuen Situation stehen. Seit der Corona-Krise haben viele unter uns ihr Leben, ihren Alltag, ihr Grundverständnis von dem, was sie selbst als lebens- und erstrebenswert finden, noch einmal neu bewertet.

Sehr häufig tun wir das ansonsten auch dann, wenn wir uns zum Beispiel von Partnern trennen oder Partner sich von uns trennen, oder ein geliebter Mensch krank wird oder stirbt. In der Phase der Krise können wir viel lernen. Haben wir Wut, Enttäuschung oder Trauer erst einmal Raum gegeben, kann ein Selbstreflexionsprozess angestoßen werden.

Dann können wir einen Entwicklungsschritt weitergehen, wenn wir die gemachten Erfahrungen integrieren und uns Fragen stellen wie:

  • Was lief dennoch gut bisher?
  • Gibt es etwas, das ich nun aktiv verändern möchte?
  • Was lerne ich für mich aus dieser Erfahrung?
  • Welche Auswirkungen wird meine veränderte Haltung auf mein Umfeld haben?

6. Selbstreflexion in verschiedenen Lebensphasen

Können Kinder reflektieren?

Auch wenn wir diese Frage häufig gestellt bekommen, ist die eigentliche Frage: Ab wann ist ein Mensch in der Lage, sich selbst zu reflektieren? Sich selbst zu reflektieren, setzt voraus zu wissen, dass „Ich“ ich bin. Einfach erklärt, ist das zum Beispiel dann gegeben, wenn ich mich selbst in meinem Spiegelbild erkenne. Wenn Babys auf die Welt kommen, sind sie erst einmal nicht in der Lage dazu. Mit etwa drei oder vier Jahren dann schon. Warum ist das so? Die Wissenschaft begründet das mit der „Theory of Mind“. Diese Theorie beschreibt die Fähigkeit, sich selbst und anderen mentale Zustände zuzuschreiben. Somit sind wir in der Lage schlusszufolgern, dass die nette Verkäuferin in der Shampoo-Abteilung, die uns so charmant ein neues Produkt erklärt, nicht unbedingt an unseren Haaren interessiert ist, sondern das Ziel verfolgt, eines der Produkte zu verkaufen. Es bedeutet also auch, unsere eigenen Intentionen und die anderer einschätzen zu können. Daher wird geschlussfolgert, dass Selbstreflexion auch erst dann möglich ist, wenn Kinder die „Theory of Mind“ entwickelt haben, was typischerweise im Alter von drei bis vier Jahren der Fall ist. Natürlich lässt sich hier keine Stichtagsgrenze ziehen – so wie alles andere am und im Körper, wachsen auch das Gehirn und seine neuronalen Fähigkeiten sehr unterschiedlich schnell.

Wie äußert sich Selbstreflexion im Erwachsenenalter?

Die Entwicklung der Fähigkeit zur Selbstreflexion ist eine wichtige Voraussetzung für junge Menschen, um innere Unabhängigkeit zu entwickeln.

Wer sich selbst kennenlernt und seine Stärken, Schwächen, Vorlieben und Eigenarten hinterfragt, ist in der Lage, das eigene Verhalten wahrzunehmen, zu analysieren und Verhaltensänderungen einzuleiten – sofern er diese als notwendig erachtet. Ansonsten bleibt erst einmal alles wie es ist. Selbstreflektierte Menschen kennen ihre Haltung zum Leben und entwickeln im Laufe ihres Lebens Einstellungen, die ihnen helfen, selbstwirksam zu sein. Dabei können die Ergebnisse im Laufe des Lebens sehr dynamisch sein – Selbstreflexion ist als Prozess und nie als etwas Statisches anzusehen. Wir gehen davon aus, dass mit jeder Erfahrung ein Stück Weiterentwicklung möglich ist.

7. Probleme mit Selbstreflexion

Gibt es Menschen, die Selbstreflexion nicht können?

Gesunden Menschen ist Selbstreflexion generell möglich. Es erfordert den Willen und manchmal auch etwas Anstrengung und Training. Lust, Neugier und Freude an sich selbst – auch an den dunkleren Schattenseiten – sind in jedem Fall hilfreich.

Eingeschränkt möglich ist die Selbstreflexionsfähigkeit unter Umständen, wenn eine psychische Störung vorliegt. Das kann eine Störung sein, die unsere Gesundheit stört und Einfluss auf unser Denken, Fühlen und Handeln haben kann. Diese manifestieren sich dann häufig durch Auffälligkeiten und die Reaktionen darauf aus dem Umfeld. Manchmal ist es so, dass eine psychische Störung das Denkvermögen, die emotionale Intelligenz eines Menschen, nachteilig beeinflusst und das Urteilsvermögen und somit auch die Rückschau auf sich selbst eingeschränkt sein mag.

Psychische Störungen und Erkrankungen im Zusammenhang mit Selbstreflexion: Borderline-Persönlichkeitsstörung oder Narzisstische Persönlichkeitsstörung. Menschen mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen können möglicherweise in ihrer Selbstreflexionsfähigkeit eingeschränkt sein. Das sehen wir aber generell sehr differenziert und gehen davon aus, dass sich Kommunikations- und Beziehungsmuster um bestimmte Krankheiten in bestimmten Systemen bilden können und diese “Nicht-Fähigkeit” sogar verstärken. Aufgrund einer meist starken Verzerrung der Wahrnehmung zwischenmenschlicher Interaktionen können zum Beispiel bei einer Borderline-Störung oder einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung Schwierigkeiten mit zwischenmenschlichen Fertigkeiten wie Einfühlungsvermögen oder Selbstreflexion entstehen.

Dabei handelt es sich um schwere Störungen der Persönlichkeit und des Verhaltens der betroffenen Person. Diese sind nicht direkt auf eine Hirnschädigung oder -krankheit oder auf eine andere psychiatrische Störung zurückzuführen. Sie erfassen verschiedene Persönlichkeitsbereiche. Und sie gehen beinahe immer mit persönlichen und sozialen Beeinträchtigungen einher. Persönlichkeitsstörungen treten meist in der Kindheit oder in der Adoleszenz in Erscheinung und bestehen während des Erwachsenenalters weiter.

8. Referenzen

8.1. Wikipedia

Als Expertenportal für Selbstreflexion wurde DeSelfie auf Wikipedia rund um das Thema Selbstreflexion verlinkt. Dabei wird auch der DeSelfie Kreislauf gezeigt.

8.2. Kongress für Online-Berater

Wir durfen 2019 beim Kongress für Online-Berater Workshops zum Thema „#howtoselbstreflexion“ moderieren

8.3. Shape

Selbstreflexion hilft auch beim Abnehmen – wie das geht, erklärt Gründerin Astrid Dobmeier in einem Interview.

8.4. Holzhausen Beratung

Der Artikel über die Führung in digitaler Transformation wurde bei der Holzhausen Beratung gepostet.

8.5. Medizinredaktion der Bauer Media Group

Journalistin Jennifer Felmet hat Gründerin Astrid Dobmeier zu dem Thema innere Stärke interviewt.

8.6. Wissenschaftliche Arbeiten

Dr. Astrid Dobmeier wurde von zwei Masteranden zur dem Thema Unternehmenskultur der Zukunft befragt.

9. Quellen

Patricia E. Black, David Plowright: A multi‐dimensional model of reflective learning for professional development. In: Reflective Practice. Band 11, 2010, S. 245–258. doi:10.1080/14623941003665810

T. Rammsayer, H. Weber: Differentielle Psychologie – Persönlichkeitstheorien. Hogrefe Verlag, Göttingen 2016.

E. Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. Pearson Studium, München 2012.

J. McDrury, M. Alterio: Learning through storytelling in higher education: using reflection and experience to improve learning. Kogan Page, London 2003.

J. Amulya: What is reflective practice. Massachusetts Institute of Technology, Center for Reflective Community Practice, 2004. (25.02.2019)

Chris McKillop: Storytelling grows up: Using storytelling as a reflective tool in higher education. 2005.

M. E. Neely, D. L. Schallert, S. S. Mohammed, R. M. Roberts, Y. J. Chen: Self-kindness when facing stress: The role of self-compassion, goal regulation, and support in college students’ well-being. In: Motivation and Emotion. Band 33, Nr. 1, 2009, S. 88–97.

K. D. Neff: The development and validation of a scale to measure self-compassion. In: Self and identity. Band 2, Nr. 3, 2003, S. 223–250.

L. B. Shapira, M. Mongrain: The benefits of self-compassion and optimism exercises for individuals vulnerable to depression. In: Journal of Positive Psychology. Band 5, Nr. 5, 2010, S. 377–389.

Reflective practice. (n. d.). Abgerufen von http://psychology.wikia.com/wiki/Reflective_practice

DeSelfie heißt, sich selbst auf der Spur sein.